Begriff & Einordnung

Sensomotorische Amnesie

Sensomotorische Amnesie ist ein Begriff aus Thomas Hannas Somatics. Er beschreibt in diesem Modell gewohnheitsmäßige Muskelaktivität, die einer Person wenig bewusst oder schwer gezielt veränderbar erscheint.

„Sensorisch“ betrifft Wahrnehmung, „motorisch“ die Steuerung von Bewegung. Hanna verband beides mit der Vorstellung, dass vertraute Spannungsmuster der bewussten Aufmerksamkeit entgehen können. Seine Bezeichnung „Amnesie“ ist eine bildhafte Erklärung innerhalb dieses Ansatzes. Sie darf nicht mit einer nachgewiesenen Gedächtnisstörung, einer Nervenschädigung oder einer allgemein gesicherten Ursache chronischer Schmerzen gleichgesetzt werden. Die verlinkte Darstellung des Somatic Systems Institute dokumentiert die Herkunft des Modells, nicht einen Wirksamkeitsnachweis für Neurostatik.

Ein Beobachtungsbeispiel: Während konzentrierter Bildschirmarbeit bemerkst du erst nach einiger Zeit, dass deine Schultern angehoben sind. Du veränderst deine Sitzposition und prüfst, ob du die Schultern jetzt bequemer bewegen kannst. Dabei geht es um das Wiedererkennen einer Alltagssituation und um verfügbare Bewegungsmöglichkeiten. Aus dieser Beobachtung lässt sich nicht ableiten, dass dein Gehirn einen Muskel „vergessen“ hat.

Für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen Wahrnehmung und Befund wichtig. „Ich bemerke Spannung spät“ ist eine persönliche Erfahrung. „Mein Nervensystem kann diesen Muskel nicht steuern“ wäre eine weitergehende Aussage, die untersucht werden müsste.

In Neurostatik kann der Begriff als Gesprächsanlass dienen: Welche Körperbereiche beachtest du selten, und bei welchen Tätigkeiten tritt unnötiger Aufwand auf? Er sollte keine feste Selbstdiagnose werden. Neue Kraftverluste, deutliche Gefühlsstörungen oder andere neurologische Auffälligkeiten gehören medizinisch abgeklärt und dürfen nicht allein als erlernte Spannung erklärt werden.

Quellen & Einordnung

Verwandte Begriffe

Vom Begriff zur Bewegung.

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